Presse

Tachles vom 24. März 2017:
tachles.ch/news/das-juedische-buch-lebt

 

Charles Lewinsky im Interview mit Schweizer Radio SRFüber die Rettung der ICZ Bibliothek, 15. Januar 2015
http://m.srf.ch/news/regional/zuerich-schaffhausen/juedische-bibliothek-in-zuerich-bleibt-integral-erhalten

 

Neue Zürcher Zeitung vom 09.01.2015

Jüdischer Bücherschatz
Die Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde wird 75 Jahre alt

In Zürich befindet sich eine jüdische Bibliothek, die im deutschsprachigen Raum einmalig ist. Mit einem Buch feiert sie ihr 75-jähriges Bestehen und erzählt ihre bewegte Geschichte.

Martina Läubli
Jede Bibliothek birgt einen Kosmos an Gedanken, Geschichten und Erfahrungen. Der Bücherkosmos in der Zürcher Lavaterstrasse ist ein ganz besonderer. In den Räumen der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) befindet sich eine Judaica-Bibliothek mit einzigartigem Bestand. Gegen 60 000 Medien in deutscher, jiddischer, hebräischer und englischer Sprache bedecken die Wände, wissenschaftliche Werke, Belletristik und Kinderbücher, alle mit Bezug zum Thema Judentum, sowie Bibelausgaben und Talmud-Kommentare.

«Quelle lebender Bücher»
Im Dezember des Kriegsjahres 1939 übergab der Verein Jüdische Bibliothek Zürich seine Bestände der Bibliothek der ICZ zu deren Gründung. Während zur gleichen Zeit in Deutschland und Österreich jüdische Bibliotheken der nationalsozialistischen Zerstörungswut zum Opfer fielen, erhielt jene in Zürich ihren Betrieb kontinuierlich aufrecht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die ICZ zu ihrem eigentlichen Schatz: Dank der Vermittlung von Hannah Arendt, damals Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction Inc., gelangten Teile der 1938 aufgelösten Bibliothek des Breslauer Rabbinerseminars in die Schweiz. Die ältesten Bücher der Breslauer Sammlung stammen aus dem 16. Jahrhundert, wie die «Historien und Bücher» des jüdisch-römischen Historikers Josephus Flavius von 1595, ein Zeugnis früher Buchdruckerkunst.
In den Regalen in der Zürcher Enge stehen Bücher, die es sonst nirgendwo auf der Welt mehr gibt: Sie haben den Zweiten Weltkrieg überlebt. Wegen ihrer besonderen historischen Bestände gilt die Bibliothek der ICZ seit 2009 als «Kulturgut von nationaler Bedeutung». Doch eine Bibliothek, die sich als «Quelle lebender Bücher» versteht, ist nicht nur eine bibliophile Schatzkammer. Sie lebt auch von den Leserinnen und Lesern, die hier stöbern, sich mit den Texten auseinandersetzen und die darin enthaltenen Ideen wiedererwecken. 75 von ihnen kommen nun anlässlich des 75. Geburtstags der Bibliothek zu Wort. Im Jubiläumsband «Quelle lebender Bücher», herausgegeben von den ICZ-Bibliothekarinnen Yvonne Domhardt und Kerstin A. Paul, wird die Liebe zum gedruckten Wort auf jeder der sorgfältig gestalteten Seiten spürbar. Mit Begeisterung, Esprit und Genauigkeit stellen die 75 Personen ihr Lieblingsbuch aus der Bibliothek vor. In dieser Fundgrube begegnet man der Tora ebenso wie der Geschichte des Judentums und jüdischen Schriftstellern aus aller Welt, auch aus Zürich.

Bibliothek vorerst gerettet
Eine Entdeckung ist der der ukrainische Journalist Schemarja Gorelik, der unter dem Titel «Fünf Jahre im Land Neutralien» mit spitzer Feder von seinem Aufenthalt in der Schweiz 1914–1918 erzählt. Zu Unrecht kaum mehr bekannt ist auch der Zürcher Aufklärer Johann Caspar Ulrich. Als erster christlicher Autor verfasste er eine Geschichte der Schweizer Juden, die im 18. Jahrhundert noch weitgehend rechtlos waren. Der Schriftsteller Charles Lewinsky wiederum hat in der Bibliothek der ICZ eine Romanfigur gefunden. In einer Ausgabe des «Israelischen Wochenblatts» von 1938 sucht ein Variétékünstler per Inserat einen Koffer und einen gebrauchten Frack. Der namenlose Künstler ging als Felix Grün in Lewinskys Familienroman «Melnitz» ein. Nicht nur wegen der vollständigen Jahrgänge der Zeitung «Israelisches Wochenblatt» bildet die Bibliothek der ICZ eine reichhaltige kulturgeschichtliche Quelle zum Judentum in der Schweiz. Ihr vielfältiger Fundus macht sie zu einem zentralen Ort der Auseinandersetzung mit jüdischer Identität – und mit sich selbst. Der Literaturprofessor Andreas Kilcher schreibt: «Die Bibliothek steckt voller verborgener Kommentare zu uns selber.»
Wie viel die Bibliothek der jüdischen Gemeinschaft Zürichs bedeutet, zeigt auch die Debatte über ihre mögliche Aufteilung. Aufgrund von notwendigen Sparmassnahmen entstand die Idee, den wissenschaftlichen Bestand in die Zentralbibliothek auszulagern. Ende 2014 ist es dem Verein für Jüdische Kultur und Wissenschaft jedoch gelungen, von Stiftungen und Privaten Spenden in der Höhe einer Viertelmillion Franken zu sammeln und so die Finanzierung der Bibliothek an der Lavaterstrasse für weitere drei Jahre sicherzustellen <http://www.vjkw.ch/wordpress/?page_id=14> .
Yvonne Domhardt & Kerstin A. Paul (Hg.): Quelle lebender Bücher. 75 Jahre Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Edition Clandestin, Biel 2014. 272 S., Fr. 37.50.

 

 

Tagesanzeiger (Zürich) vom  23. 12. 2014

Die jüdische Bibliothek ist gerettet
Nach einer Sammelaktion kann die wissenschaftliche Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich weiterbetrieben werden.

Claudia Kühner
Im letzten Frühling wurde bekannt, dass die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) daran denke, den wissenschaftlichen Teil ihrer Bibliothek aufzugeben. Dies, um Kosten zu sparen. Und das, obwohl die bedeutende Bibliothek vom Bund als nationales Kulturgut eingestuft wurde. Hintergrund des geplanten Abbaus war der teure Umbau des Gemeindezentrums an der Lavaterstrasse. Kaum war diese Absicht öffentlich, wurde in Zürich der Verein für Jüdische Kultur und Wissenschaft (VJKW) gegründet, um das Kulturgut zu retten. Das ist ihm jetzt für die nächsten drei Jahre gelungen: Unter dem Präsidenten Charles Lewinsky und den weiteren Vorstandsmitgliedern (Andreas Kilcher, Michael Guggenheimer, Alfred Bodenheimer, Monica Rom, Maximilian Teicher) hat der Verein das nötige Geld gesammelt – unter in- und ausländischen jüdischen und nicht jüdischen Stiftungen sowie unter Privatpersonen auch über den Kreis der ICZ-Mitglieder hinaus. Damit bleiben die rund 40 000 Bände bis auf weiteres an der Lavaterstrasse. Die Bibliothek steht jedermann offen und wird zum Beispiel auch häufig von Studenten und Wissenschaftlern genutzt.

Mithilfe der öffentlichen Hand

Nicht nur ist die Bibliothek vorläufig gesichert. Sie soll auch an das internationale Online-Bibliothekenportal Nebis angeschlossen werden. Die Generalversammlung der ICZ hat diesem grossen Projekt kürzlich zugestimmt, das den Wert der Sammlung zusätzlich erhöhen wird. Jetzt will sich der Verein gemäss Charles Lewinsky auch um Hilfe durch die öffentliche Hand bemühen. Und es ist damit zu rechnen, dass auch im Kantonsrat entsprechende Bemühungen lanciert werden. Gedacht wird etwa an Mittel für die Restaurierung kostbarer Bände. Nachdem der Verein sein primäres Ziel mit dem Erhalt der Bibliothek erreicht hat, setzt er sich weitere Aufgaben im Bereich jüdischer Kultur und Wissenschaft – etwa mit dem Aufbau eines Zürcher Zentrums für jüdische Kultur. Das würde aber eigene Räume voraussetzen und wäre als Projekt noch um einiges grösser. Dieser Tage ist zudem ein Sammelband zum 75-jährigen Bestehen der ICZ-Bibliothek erschienen, herausgegeben von den beiden Bibliothekarinnen Yvonne Domhardt und Kerstin A. Paul («Quelle lebender Bücher», Edition Clandestin). 75 regelmässige Nutzer der Bibliothek, unter ihnen Vereinsmitglieder, schreiben darin über ihr Lieblingsbuch aus den Beständen.

Auch wird der Verein am 8. März 2015 wiederum einen «Tag des jüdischen Buchs» veranstalten, mit zwei wissenschaftlichen Vorträgen und zwei literarischen Lesungen (mit Alfred Bodenheimer und Barbara Honigmann).

 

 

Die Bibliothek bleibt im Haus

Wichtige Weichenstellung an der Generalversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich

aus tachles, das jüdische Wochenmagazin der Schweiz, 5. Dez. 2014

von Gisela Blau

Für mindestens drei Jahre ist die Finanzierung des wissenschaftlichen Teils der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) gesichert und wird nicht verschenkt. Dies wurde an der Generalversammlung der ICZ am 1. Dezember 2014 bekanntgegeben. Dem Verein für Jüdische Kultur und Wissenschaft (VJKW) und dessen Präsidenten Charles Lewinsky ist es gelungen, für dieses Herzstück der Gemeinde eine Viertelmillion Franken zugesagt zu erhalten, von verschiedenen Stiftungen, zum Beispiel von der Rothschild Foundation in London, für deren Zusage Lewinsky ein Gesuch von 35 Seiten ausfüllen musste. Die Eingliederung der ICZ-Bibliothek ins internationale Online-Bibliothekssystem NEBIS ist gesichert, ebenso ein Zuschuss von dreimal 50 000 Franken pro Jahr. Nur der belletristische Teil der Bibliothek wird weiterhin durch die Gemeinde finanziert. Die Sponsoren machten ihre Beiträge von der Zustimmung durch die GV abhängig. Edgar Abraham, der im Auftrag des Vorstandes Verhandldungen mit der Zentralbibliothek Zürich geführt hatte, focht mit dem Zweihänder ein Rückzugsgefecht, sekundiert von einigen negativen Voten, doch sein Rückweisungsantrag wurde abgeschmettert und der Antrag des Vorstandes angenommen, die Finanzspritze des VJKW zu akzeptieren. Gefeiert werde am 14. Dezember an der Vernissage des Jubiläumsbuchs der 75-jährigen Bibliothek, hatte Lewinsky gehofft. Nun ist sein Wunsch in Erfüllung gegangen. “Das Ergebnis der Abstimmung war erfreulich”, sagte der Autor zu tachles. “Wir haben einen guten Anfang gemacht, aber die Arbeit wird unserem Verein nicht ausgehen. Die Existenz der Bibliothek muss auf Dauer gesichert werden. Wir bleiben dran!”.

 

ERSTER «TAG DES JÜDISCHEN BUCHES», aus Tachles, 30. Januar 2014

Bücher als tragbare Heimat

Gisela Blau
Mehr als 100 Personen genossen den ersten «Tag des jüdischen Buches» im Zürcher Stadthaus. 
Er wurde vom Verein für jüdische Kltur und Wissenschaft zu Ehren des 75. Geburtstages der ICZ-Bibliothek durchgeführt.

Eine gute Nachricht voraus: Der Erfolg des «Tag des jüdischen Buches» war so gross, dass seine Veranstalter, der Verein für jüdische Kunst und Wissenschaft (VJKW) mit ihrem Präsidenten, dem Schriftsteller Charles Lewinsky, bereits darüber nachdenkt, aus der Jubiläumsveranstaltung für die 75 Jahre alte Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) einen alljährlichen Anlass zu machen. An Themen und Referenten wird es sicherlich nie fehlen. Bester Beweis ist die nahtlose Ersetzung der kurzfristig erkrankten Else-Lasker-Schüler-Expertin Itta Schedletzky durch Karl Jürgen Skrodzki, einen ebenso sattelfesten Erforscher der deutschen Dicherin.

Zu Beginn begrüsste André Bollag, Co-Präsident der ICZ, die Awesenden, die den Musiksaal des Zürcher Stadthauses füllten und teilweise auf den Fensterbänken sassen oder gar einen Stehplatz in Kauf nahmen. Er dankte vorab der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, die dem Anlass den schönen Raum hoch über der Limmat zur Verfügung gestellt hatte. Bollag dankte aber auch dem VJKW für die Initiative, einen Jubiläumstag für die ICZ-Bibliothek zu organisieren.

Eine Bibliothek, sagte Bollag, sei eine der ältesten Dienstleistungsinstitutionen der Menschheit. Ihr griechischer Name bezeichne die Behälter, in denen im alten Ägypten die Papyrusrollen aufbewahrt wurden. In der Nazi-Zeit, als es galt, möglichst viele Menschen zu retten, sei es beinahe vergessen worden, dass auch dank der Voraussicht und des Mutes seiner Amtsvorgänger viel an jüdischem Kulturgut in die Schweiz gerettet werden konnte: «Wenn wir in diesem Jahr den 75. Geburtstag unserer Bibliothek feiern können, müssen wir uns gleichzeitig bewusst sein, dass dies das 75. Todesjahr vieler anderer jüdischer Bibliotheken ist. Als Volk des Buches ist und bleibt es unsere Pflicht, das Buch und dessen Inhalt zu erhalten und zu bewahren.

Über dieses Volk des Buches und «zur literarischen Selbstbehauptung der jüdischen Moderne» sprach als erster Referent der ETH-Professor Andreas Kilcher. Er zeigte, wie mit der Aufklärung «das Buch», das als religiöse Schrift betrachtet worden war, durch viele Bücher ergänzt wurde. Bücher seien nach Verlust von Land und Tempel der tragbare Ort des jüdischen Volkes geworden. Erst mit dem Zionismus sei es trotz allerlei Zielkonflikten zwischen Buch und Land wieder zu einer Einheit gekommen.

Der Nachmittag begann mit einer Lesung von Martin Hamburger aus seinem letztjährigen autobiografischen Roman «Die Fahrt aus der Haut». Anstelle der erkrankten Itta Shedletzky sprach Karl Jürgen Skrodzki mit vielen anschaulichen Zitaten über die Zeit der fragilen deutschen Dichterin Else Lasker-Schüler in Zürich. «Juden in Zürich – Juden im Roman» bot Anlass für Lesungen aus Schmarja Goreliks Roman «Fünf Jahre im Land Neutralien» und Kurt Guggenheims Buch «Alles in allem». Charles Lewinsky, der wie die anderen Referenten über die Bedeutung der ICZ-Bibliothek, die ein aufliegendes Porträt-Flugblatt beigesteuert hatte, berichtete, las selber aus seinem monumentalen Roman «Melnitz».

Den viel beachteten Schluss bildete ein Gespräch des Kulturvermittlers Michael Guggenheimer mit dem Autor Urs Faes, der «zufällig» zu seinem bald erscheinenden nächsten Roman gekommen war: Den Umschlag seines letzten Buches zierte eine alte Fotografie, auf der jemand ein junges jüdisches Paar erkannte. Faes reiste der Geschichte dieser Menschen in Berlin und Brandenburg nach und kam so zu einem packenden neuen Roman.

 

 

St.Galler Taglatt, 24. 01.2014
Fest für ein gefährdetes Kulturgut

Die öffentliche Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ist ein «Kulturgut von nationaler Bedeutung». Trotzdem droht ihr die Zerschlagung. Engagierte versuchen, sie zu retten, und veranstalten dafür den «Tag des Jüdischen Buches».
VALERIA HEINTGES
Wer die Geschichte der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) kennt, versteht ihre Bedeutung sofort: Sie wurde 1939 gegründet, zu einer Zeit also, als die Nationalsozialisten im übrigen Europa jüdische Bibliotheken von Privaten, Gemeinden und Hochschulen auflösten und die Bücher vernichteten.
Werke aus dem 16. Jahrhundert
1939 übernahm die ICZ eine Bibliothek, deren Wurzeln bis 1902 reichten. Dazu kamen bald Bücher geflohener Juden und Ende der 40er-Jahre 4000 Werke des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau, von denen einige aus dem 16. Jahrhundert stammen.
Mittlerweile 50 000 Medien gehören der für jeden öffentlich zugänglichen ICZ-Bibliothek, in deutscher, hebräischer, jiddischer und englischer Sprache. Der Grossteil, rund 40 000 Werke, sind wissenschaftlicher Natur, also Werke zu Judaistik und Rabbinistik, Kommentare zu Talmud und Bibel, aber auch Werke zum Konflikt in Nahost, Philosophie, Kunst- und Musikgeschichte. Rund 10 000 Werke sind belletristischer Art, von jüdischen Autoren oder zu jüdischen Themen, darunter Kinder- und Jugendbücher und auch DVDs und CDs.
«Gerade diese Vielfalt macht die Bibliothek aus», sagt Bibliothekarin Kerstin Paul. Die Medienfülle und -breite beeindruckte auch im Bundesamt für Bevölkerungsschutz, das die Bibliothek in die Liste eines «Kulturguts von nationaler Bedeutung» aufnahm, weil sie im deutschsprachigen Raum wohl einzigartig ist.
Ungeachtet dessen wurden Pläne publik, diese Vielfalt zu zerstören, denn die ICZ muss sparen. Der wissenschaftliche Teil, so die Idee, sollte der Zentralbibliothek Zürich (ZB) einverleibt werden. Präsent wären die Werke dann wohl nicht mehr, sondern müssten bei Verlangen aus dem Lager geholt werden. Der belletristische Teil bliebe bei der ICZ, ein schwacher Trost für Bibliothekarin Paul: «Die Identität der Bibliothek wäre zerstört.»
Das findet auch der Verein für jüdische Kultur und Wissenschaft, der gegründet wurde, um die Eigenständigkeit der Bibliothek zu erhalten «als Kernstück für die Einrichtung eines überregional wirksamen Zentrums für jüdische Geistesgeschichte» in Zürich. Vereinsvorsitzender ist der Schriftsteller Charles Lewinsky, der mit einem Jahresbudget von Fr. 100 000 rechnet und dafür Sponsoren sucht. Dafür hat er den «Tag des Jüdischen Buches» organisiert, der mit Vorträgen, Lesungen und einem Autorengespräch den 75. Geburtstag der Bibliothek feiern und auf ihre Probleme aufmerksam machen soll.
Alles löst sich in Luft auf?
Wenn der Verein Erfolg hat und das Geld auftreiben kann, «dürften sich die ursprünglichen Pläne langsam in Luft auflösen», sagte gestern ICZ-Generalsekretär Frédéric Weil.

Aargauer Zeitung / AZ, 20.01.2014
Eine gespaltene Gemeinde
Ungewisse Zukunft · Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde wird 75
von Adrian Portmann

Ein leiser Singsang erklingt aus dem Untergeschoss der Bibliothek im Gemeindehaus der Israelitischen Cultursgemeinde Zürich (ICZ) an der Lavaterstrasse. Ein Junge ist damit beschäftigt, einen hebräischen Tora-Abschnitt für seine Bar-Mitzwa-Feier auswendig zu lernen. Nach jüdischer Tradition wird er ihn am Tag seines 13. Geburtstages in der Synagoge vortragen und damit seine Religionsmündigkeit erlangen.
Die Bibliothek der grössten jüdischen Gemeinde in der Schweiz wurde 1939 gegründet und zählt heute pro Jahr rund 5000 Besucher. «Bei uns findet man Bücher und Filme von jüdischen Autoren sowie alles, was mit jüdischen Themen zu tun hat», sagt Bibliothekarin Kerstin Paul. Die Bibliothek der ICZ wurde vor fünf Jahren zum «Kulturgut von nationaler Bedeutung» ernannt und umfasst 50000 Bücher in jiddischer, hebräischer und deutscher Sprache.

Darunter befinden sich neben der Belletristik auch wertvolle wissenschaftliche Arbeiten. Diese sorgen seit vergangenem Frühjahr für Gesprächsstoff. Grund dafür: Die Gemeinde muss sparen. Uneinig ist man sich jedoch darüber, wo der Rotstift angesetzt werden soll.

Edgar Abraham, ehemaliges Mitglied des ICZ-Vorstandes sieht als Möglichkeit die Ausgliederung der wissenschaftlichen Schriften an die Zürcher Zentralbibliothek (ZB): «Dort wären die Bücher auf viele Jahre hinaus gut aufgehoben. Die Qualität der Betreuung wäre optimal und wegen der Finanzen müsste man sich keine Sorgen machen. Auch der Zugang für ein breites Publikum sowie für die Wissenschaft wäre gewährleistet.» Erste Verhandlungen mit der ZB seien vielversprechend verlaufen.

Gegner Charles Lewinsky

Prominenter Gegner dieses Vorhabens ist Schriftsteller Charles Lewinsky (siehe Interview). Er hat eigens einen Verein gegründet, mit dem Ziel, den wissenschaftlichen Teil am bisherigen Standort zu behalten. Darüber hinaus möchte er die Bibliothek zu einem «überregional wirksamen Zentrum für jüdische Geistesgeschichte in Zürich» ausbauen.

Der eigentliche Schatz des Hauses ist die sogenannte Breslauer Bibliothek. Sie umfasst 11000 Bücher, davon liegen 3400 im Archiv des ICZ. Es handelt sich um Schriften aus der ehemaligen Breslauer Seminarbibliothek, die das Nazi-Regime überdauert haben und nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz kamen. Verwaltet wird die Sammlung von der ICZ, Besitzer ist aber der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG). Dieser beobachtet die Diskussion um die Bibliothek deshalb mit Argusaugen, hält sich jedoch im Hintergrund.

Kein Thema beim Runden Tisch

Bislang sind die Sparpläne nur innerhalb der ICZ ein Thema. Beim Interreligiösen Runden Tisch des Kantons Zürich habe es keine Gespräche darüber gegeben, sagt Sekretär Philippe Dätwyler. Genauso beim «Zürcher Forum der Religionen». «Wir würden es aber begrüssen, wenn die Bibliothek in ihrer heutigen Form bestehen bliebe», sagt Virginia Suter Reich, Leiterin der Geschäftsstelle. Es sei ein Schmuckstück, das im Programm der öffentlichen Führungen zum «jüdischen Zürich» jeweils einen festen Bestandteil habe.

Neben einer Ausgliederung, wie sie Abraham vorschwebt und dem Vorhaben von Lewinsky bliebe die Option, bei einem anderen Posten zu sparen. Die Gemeindemitglieder werden voraussichtlich im Sommer darüber abstimmen, was mit der geschichtsträchtigen Bibliothek geschehen soll.

«Nicht das Tafelsilber verkaufen, um zu sparen»

Herr Lewinsky, Sie haben den «Verein für jüdische Kultur und Wissenschaft» gegründet und präsidieren diesen. Wofür setzen Sie sich ein?
Charles Lewinsky: Im Mai 2013 wurde bekannt, dass sich die ICZ nicht mehr in der Lage sieht, den Unterhalt ihrer umfangreichen und wertvollen Bibliothek zu finanzieren. Der Gemeindevorstand machte den Vorschlag, die Bestände an die Zentralbibliothek Zürich abzugeben. Mit einer Gruppe von Gleichgesinnten war ich der Meinung, dass man nicht sein Tafelsilber verschenken darf, um die Kosten für das Silberputzmittel zu sparen. Wir wollten uns dafür einsetzen, die unterdessen 75-jährige Bibliothek als selbstständige Einheit zu erhalten – was auch die Suche nach finanziellen Mitteln zu deren Unterhalt einschliesst. Die Vereinsform schien uns dafür am geeignetsten.
Unter anderem planen Sie am Standort der Bibliothek ein Studienzentrum. Was muss man sich darunter vorstellen?
Das ist ein langfristiger Plan, mit dem wir hoffen, das Interesse an den kostbaren Beständen der Bibliothek auch ausserhalb der jüdischen Kreise zu wecken und sie besser ins kulturelle Zürich zu integrieren.
Wie hoch ist der Betrag, welcher für den Weiterbetrieb der Bibliothek in ihrer heutigen Form benötigt wird?
Ganz exakt lässt sich das nicht beziffern. Aber ein Jahresbudget so gegen 100000 Franken wäre nützlich.
Wer kommt als Kapitalgeber infrage?
Wir hoffen auf Unterstützung von Stiftungen, kulturell interessierten Personen und auch von der öffentlichen Hand.
Wie laufen die Verhandlungen?
Erste Zusagen haben wir erhalten, es ist aber noch zu früh, um Zahlen zu nennen.
Was spricht dagegen, wenn der wissenschaftliche Teil der Bibliothek zum Beispiel in die Zentralbibliothek umziehen würde, wie es Edgar Abraham vorgeschlagen hat?
Die Bibliothek bildet eine historisch gewachsene Einheit und wurde deshalb auch als «Kulturgut von nationaler Bedeutung» eingestuft. Eine Übergabe an die ZB wäre nicht einfach ein «Umzug», sondern würde bedeuten, dass die Bücher zwar physisch weiter existieren, aber einzeln aus den Lagerkellern der ZB abgerufen werden müssen. Der gegenwärtige Zustand, wo die Werke gemeinsam greifbar sind, wirkt sich für die Benutzer – ob wissenschaftlich oder nicht – äusserst befruchtend aus. Aber ganz abgesehen von der praktischen Seite: Unserer Meinung nach gehört es zu den Verpflichtungen einer Gemeinde, das von ihren Vorfahren übernommene Erbe zu bewahren.
Wann ist mit einem definitiven Entscheid zur Zukunft der Bibliothek zu rechnen?
Die Gemeindeversammlung wird noch in diesem Jahr entscheiden, welches der beiden Konzepte weiterverfolgt werden soll

Charles Lewinsky ist Drehbuchautor und Schriftsteller. Zu seinen Werken zählt der Roman «Melnitz» und die TV-Serie «Fascht e Familie».

Tachles, Jüdisches Woichenmagazin, Zürich, 17. 01.2012

75 JAHRE ICZ-BIBLIOTHEK
Ein Tag des jüdischen Buches

Am 26. Januar wird der 75. Geburtstag der ICZ-Bibliothek mit einem «Tag des jüdischen Buches» im Musiksaal des Zürcher Stadthauses gefeiert. Das jüdische Wochenmagazin ‘Tachles” berichtet über den Anlass und über die Hintergünde… der ganze Artikel im tachles vom 17. Januar 2014

 

Zweite ordentliche Gemendeversammlung ICZ
Neues in Sachen Bibliothek
aus Tachles vom 6. 12. 2013

“Gespannt waren die Anwesenden auf die Mitteilungen des Erfolgsautors Charles Lewinsky über das Projekt seines neuen Vereins für Kultur und Wissenschaft, die ICZ-Bibliothek zu retten. Er wirkte zu- versichtlich und berichtete, eine Stiftung habe zugesagt, den Anschluss an den elektronischen Bibliotheken-Suchdienst NEBIS zu finanzieren, damit auch die 50 000 Titel  der ICZ-Bibliothek    gefunden werden. Zu Ehren des 75. Geburtstags der Bibliothek im nächsten Jahr organisiert der Verein am 26. Januar einen «Tag des jüdischen Buches» mit Lesungen, Vorträ- gen und Podiumsgesprächen im Stadt- haus Zürich sowie eine Ausstellung wert- voller Bände in der Museumsgesellschaft und im Foyer des ICZ-Gemeindezent- rums. Weil viele Stiftungen erst nächstes Jahr über Zuwendungen entscheiden können, wird Lewinsky an der Juli-GV 2014 nochmals Bericht erstatten.”
GIsela Blau

 

Buch statt Buchhaltung
Von Gisela Blau, 5. Juli 2013, tachles, Jüdisches Wochenmagazin, Zürich

An der Gemeindeversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) ging es bei mehreren Traktanden um Geld. Auch das Schicksal der ICZ-Bibliothek wird davon abhängen.

 Ein Satz habe ihn schockiert: «Aber Herr Lewinsky, es geht doch nicht um die Bücher, sondern ums Geld!» wurde Charles Lewinsky während seiner ersten Besprechung mit der ICZ beschieden. Lewinsky sprach als Präsident des Vereins für jüdische Kultur und Wissenschaft an der Gemeindeversammlung (GV) vom vergangenen Montag über die Zukunft der ICZ-Bibliothek. Nicht zuletzt dieses Traktandum hatte immerhin etwa 175 stimmberechtigte Mitglieder ins ICZ-Gemeindezentrum geführt.

Edgar Abraham, Projektleiter für die Zukunft der ICZ-Bibliothek, wunderte sich, dass die Mitglieder zuerst nicht auf das Thema eines Verzichts auf einen Teil der ICZ-Bibliothek im Rahmen eines Vier-Punkte-Sparvorschlags reagiert hätten. Obwohl die Bibliothek kein «grosser Brocken» im Vergleich zu Sicherheit, Kindergarten und Sozialwesen sei, habe er im Auftrag des Vorstands Kontakt zur Zentralbibliothek Zürich (ZB) wegen einer Schenkung der ICZ-Wissenschaftsbibliothek aufgenommen; die Belletristik würde in der ICZ verbleiben. Mit der 74-jährigen Bibliothek leiste sich die ICZ heute einen Luxus, der wegen seiner Relevanz von der gesamten Schweizer Judenheit getragen werden müsste.

Vertragsentwurf liegt vor 

Die ZB verfüge bereits über einen grossen Bestand an Judaica, sagte Abraham. Diese bestehen allerdings, wie tachles berichtete, weitgehend aus dem Nachlass Heidenheim, der vor 100 Jahren von der ICZ mangels einer Bibliothek der ZB geschenkt worden war. Edgar Abraham betonte, der ZB werde wegen ihres staatlichen Auftrags das Geld nie aus-gehen. Die ICZ-Bücher würden als
«geschlossene Signatur», als separater Bestand geführt werden.

Abraham berichtete, es liege ein kurzer Vertragsentwurf vor. Entscheiden müsse eine ICZ-GV. Der Projektleiter sagte, es gebe vorderhand drei Optionen: die Beibehaltung der unveränderten ICZ-Bibliothek; eine Schenkung des wissenschaftlichen Teils an die ZB; eine Stiftung, wie sie die Lewinsky-Gruppe anstrebe.

Charles Lewinsky dankte für die Einladung und sagte, die älteste jüdische Bibliothek der Schweiz sei kein Luxus, sondern ein Kulturgut, ein Schatz, der an die nächsten Generationen weiterzugeben sei: «Wir sind das Volk des Buches und nicht der Buchhaltung», sagte der bekannte Autor unter Applaus. Man solle das Tafelsilber nicht veräussern, nur weil das Silberputzzeug zu teuer geworden sei. Die ZB könne zudem den ICZ-Bestand nur übernehmen, wenn der Bau eines «Bücherbunkers» als Lagerhaus der Bibliotheken bewilligt würde. Der Verein, der nach zwei Monaten bereits 50 zahlende Mitglieder aufweist, bitte nur um eines: um genügend Zeit: «Wir brauchen ein Jahr für Lösungen.» Diese bedingen auch die Suche nach Geldmitteln, einer Aufgabe, der sich Roman Rosenstein als Quästor des Vereins annehmen wird.

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Ein wahrer Kulturschatz: Die Bibliothek der ICZ / Ein Gespräch im Radio SRF 1

Ein weiteres mediales Echo auf unseren Verein am Samstag, 25. Mai 2013 zur besten Vorabendzeit im Radio SRF 1 in der Sendung “Zwischenhalt”: Unser Vorstandsmitglied Prof. Alfred Bodenheimer gibt Auskunft über die so besondere Bedeutung der ICZ Bibliothek für den deutschsprachigen Raum, über das Neue am Projekt, das der Verein Jüdische Kultur und Wissenschaft verfolgt und über dessen mögliche Ausstrahlung über Zürich hinaus. Zu hören über:

http://www.srf.ch/player/radio/popupaudioplayer?id=a401b467-0881-467c-b343-59b61cbe2b16

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aus Tachles, das Jüdische Wochenmagazin, 24. Mai 2013

Lösung für die Bibliothek?

Von Gisela Blau

Der neu gegründete Verein für Jüdische Kultur und Wissenschaft möchte die Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich bewahren und auf ihrer Basis ein Studienzentrum aufbauen. An der Gemeindeversammlung vom 1. Juli gibt es Informationen.

Der Vorstand des Vereins für jüdische Kultur und Wissenschaft (VJKW), der am 1. Mai gegründet wurde, ist prominent besetzt: Der Autor Charles Lewinsky firmiert als Präsident, dazu gehören auch Alfred Bodenheimer, Ordinarius für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums sowie Leiter des Zentrums für Jüdische Studien an der Universität Basel, Andreas Kilcher, Professor für Kultur- und Literaturwissenschaft an der ETH Zürich, der Initiant, Literaturpublizist Michael Guggenheimer, sowie Monica Rom und Maximilian Teicher.

Die Vereinsgründer wurden aufgerüttelt, als durch tachles die erst angedachte Absicht des Vorstands der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) publik wurde, sich aus finanziellen Gründen vom wissenschaftlichen Teil seiner berühmten, seit 1939 existierenden Bibliothek zu trennen. Der Umbau des Gemeindezentrums erwies sich als viel teurer denn erwartet, die superreichen^potenziellen Mitglieder blieben trotz einer versprochenen Steuer-Obergrenze fern, und die ICZ muss empfindlich sparen. Seither führt das ehemalige Vorstandsmitglied Edgar Abraham Gespräche mit der renommierten Zentralbibliothek (ZB) in Zürich.

«Unsere Verhandlungen haben gezeigt, dass die ZB prinzipiell bereit wäre, den wissenschaftlichen Teil unserer Bibliothek zu integrieren», erfuhr tachles von Edgar Abraham. «Sobald das zentrale Lager der wichtigsten Schweizer Bibliotheken in der Innerschweiz im Jahr 2016 eröffnet werden kann, gibt es in der ZB auch genügend Platz dafür als eigener Bestand.» Die Verhandlungen sind laut Abraham recht weit gediehen. Wichtige Einzelheiten, wie die Betreuung des Bestandes, müssten noch ausgehandelt werden. Das letzte Wort hätten ohnehin die Gemeindemitglieder. An der nächsten Gemeindeversammlung vom 1. Juli werden sowohl Edgar Abraham als Beauftragter des Vorstands wie auch Charles Lewinsky Gelegenheit bekommen, die Gemeinde zu informieren und ihre Projekte vorzustellen. Entschieden wird dann jedoch noch nichts. Sowohl Charles Lewinsky wie Alfred Bodenheimer betonen, dass sie sich in keinerlei Konkurrenzsituation zur ICZ sehen, sondern Gesprächspartner sein wollen. «Die Bibliothek und das von uns gewünschte Studienzentrum würden Möglichkeiten für Projekte, auch für eine weitere Öffentlichkeit, bieten, die es bis jetzt noch nicht gibt», sagt Bodenheimer.

Die Bibliothek der ICZ umfasst einige zehntausend teils einmalige Bände, Judaica, wissenschaftliche Werke, aber andererseits auch viele andere, die interessierten Gemeindemitgliedern dienen. Sie erhielt 2009 das Prädikat eines nationalen Kulturgutes und zieht, sehr professionell betreut, längst nicht nur jüdische Nutzer an. Auch die ZB verfügt über eine gewisse Anzahl von Judaica.

Die Vorstellung über die Zeitpläne gehen noch auseinander, aber auch Edgar Abraham betrachtet die Ziele des Vereins als eine «sehr valable Option». Der ICZ-Vorstand, so Abraham, möchte eigentlich bis Ende Jahr ein Konzept des VJKW sehen, mit finanziellen Zusagen und möglichst einem künftigen Heim für die Bibliothek, die nachhaltig erscheinen. Der Verein, sagt Präsident Charles Lewinsky, möchte sich jedoch bis zum kommenden Frühjahr Zeit dazu lassen. Allerdings: «Wir haben jetzt schon sowohl von Einzelpersonen wie von Stiftungen sehr positive Signale bekommen», sagt er.

www.vjkw.ch

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Freiburger Nachrichten (Freiburg/ Fribourg, CH), 07.06. 2013

Religion und Gesellschaft
Verein will die jüdische Bibliothek retten
Zürich In Zürich befindet sich die älteste jüdische Bibliothek im deutschsprachigen Raum. Dabei handelt es sich um einen Kulturschatz von nationaler Bedeutung. Doch die Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) ist wegen Geldmangel gefährdet. Nun haben Schweizer Juden einen Verein gegründet, um das jüdische Kulturgut zu retten. Die Bibliothek wurde 1939 gegründet. Ihr Bestand umfasst über 50 000 Titel rund ums Judentum. Die wertvollsten Stücke stammen aus dem Rabbinerseminar von Breslau, das 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.
Prominenter Präsident
Heute fehlen die Mittel zum Erhalt der Bücher. Deshalb haben sich prominente Schweizer Juden zu einem Verein zu deren Rettung zusammengeschlossen. Der Präsident des Vereins ist der Schriftsteller Charles Lewinsky («Melnitz»). Die Bücher und Schriften sollen zudem die Grundlage für ein neues Zentrum für jüdische Geistesgeschichte bilden, sagte Alfred Bodenheimer, Vereinsmitglied und Leiter des Zentrums für Jüdische Studien der Universität Basel. kipa